Ratgeber

Unser Münzratgeber gibt Tipps und hilft beim Kaufen und Verkaufen von Münzen. Wir bieten zahlreiche Informationen zum Münzen-Wert und dem Reinigen von Münzen sowie deren Aufbewahrung. Auch Buchtipps zum Thema finden Sie in unserem Ratgeber.

Münzen Ratgeber

Foto: magdal3na / Fotolia

Ist das Hobby sinnvoll?

Sammeln kann man alles Mögliche, Bierdeckel, Kronenkorken, Überraschungseier, Streichholzschachteln, Telefonkarten, Briefmarken und eben auch Münzen. Münzen sammeln gehört dabei keineswegs zu den anspruchslosesten Disziplinen. Münzen sind immer auch ein Spiegel der Geschichte. Und so liegt es in der Natur der Sache, dass man sich mit ihr befassen muss. Für ältere Münzen trifft dies noch mehr zu. Aber auch moderne Münzen haben häufig einen geschichtlichen Anlass. Beispielsweise ein historischer Jahrestag oder Jubiläum oder der Geburtstag einer berühmten Persönlichkeit. Sich damit zu befassen ist reizvoll und spannend. Darüber hinaus erweitert man seinen geschichtlichen Horizont. Wer schon einmal eine Münzmesse oder –börse besucht hat, der kann diesen Reiz und diese Spannung hautnah spüren. Dort werden Sie auch erfahren, wie leidenschaftlich die Sammler sind und dass Münzensammeln keine Domäne alter Menschen ist. Hobbys gehören zu den wichtigsten Beschäftigungen im Leben glücklicher und zufriedener Menschen.

Lohnt sich Münzen sammeln?

Ideell sicher, aber auch finanziell? Diese Frage kann nicht eindeutig beantwortet werden. Sie ist von vielen Faktoren abhängig, wie Auflagenhöhe, Edelmetallgehalt, Zustand der Münze und vor allem von Angebot und Nachfrage. Letzteres kann sich plötzlich ändern, zum Beispiel durch politische Veränderungen. Denken Sie an den Fall der Berliner Mauer. Plötzlich hat sich der Kreis der Sammler deutlich erweitert. Allgemein lässt sich sagen: Münzen eignen sich nicht für eine kurzfristige Anlage. Sie sollten langfristig denken. Auch sollten Sie nur 10 bis 20 % Ihres Vermögens dafür investieren. Und der Betrag für diese Anlage sollte frei verfügbar sein. Nur so können Sie verhindern, dass Sie wegen eines finanziellen Engpasses bei Werteinbrüchen mit Verlust verkaufen müssen. Langfristig gesehen haben die meisten Münzen ansehnliche Zuwächse erfahren. Im Gegensatz zum Anleger sind solche Überlegungen für den klassischen Sammler nicht entscheidend. Er freut sich zwar, wenn seine Sammlung im Wert steigt, aber in erster Linie frönt er seinem Hobby.

Wie bestimmt sich der Wert einer Münze?

Beim Münzen-Wert unterscheidet man zwischen Anlage- und Sammlermünze. Bei den Anlagemünzen ist die Beantwortung der Frage einfach. Hier zählt nur das Gewicht des Edelmetalls. Anlagemünzen unterliegen dem aktuellen Edelmetallkurs.

Bei Sammlermünzen kommen andere Aspekte zum Tragen. Das Metall ist eher zweitrangig.

  • Wie selten, beziehungsweise wie häufig ist die Münze (Angebot)?
  • Wie viele Sammler gibt es (Nachfrage)?
  • Und wie gut erhalten ist die Münze?

Welche Sammelgebiete gibt es?

Sammelgebiete gibt es enorm viele. Hier nur die wichtigsten und häufigsten:

  • Griechen
  • Römer
  • Kelten
  • Mittelalter
  • Altdeutschland bis 18
  • 71Deutsches Kaiserreich
  • Weimarer Republik
  • III. Reich
  • Bundesrepublik Deutschland
  • DDR
  • Euro

Daneben existieren Spezialgebiete wie Deutsche Kolonien, Notgeld oder Lagergeld. Viele sammeln nach Ländern oder nach Nennwerten. Sehr beliebt sind auch Motivsammlungen (Portraits berühmter Herrscher oder Persönlichkeiten, Schiffe, Eisenbahnen, Olympische Spiele, Landschafts- und Städtebilder, Tiere, Pflanzen, Autos u. ä.). Der Fantasie sind nahezu keine Grenzen gesetzt.

Münzmetalle

Hier muss man zwischen edlen und unedlen Metallen unterscheiden. Edle Münzmetalle sind Silber, Gold, Platin und Palladium. Wobei Silber und Gold am weitaus häufigsten vorkommen. Oft wurden die Münzen nicht aus reinem Edelmetall hergestellt. Deshalb ist die Angabe der Reinheit von großer Bedeutung. Ein Krügerrand hat zum Beispiel eine Reinheit von 91,67 % oder 916,7/1000. Er wiegt 33,93 g. 91,67 % davon ist reines Gold. Das sind somit 31,1 g oder 1 Unze.

Unedle Münzmetalle sind Kupfer, Nickel, Aluminium, Blei, Zinn, Zink, Eisen.
Diese Metalle werden selten in reiner Form verwendet. Meist fertigt man die Münzen mit Legierungen. Die am häufigsten verwendeten Legierungen sind Kupfer/Nickel, Messing (Kupfer/Zink) und Bronze (meist Kupfer/Zinn).

Erhaltungsgrade

Um beim kaufen von Münzen im Münzhandel und unter Sammlern den Zustand einer Münze zu beschreiben, sind die folgenden Erhaltungsgrade weit verbreitet:

g.e. (engl. good, g) = gering erhalten, auch gut erhalten, starke Abnutzungsspuren oder Beschädigungen, die Münze ist deshalb nur schwer bestimmbar, solche Münzen sind in der Regel nicht mehr sammelwürdig.

s (engl. fine, f) = schön, die Münze ist abgegriffen und zeigt deutliche Abnutzungsspuren, sie kann Kerben, Dellen und Kratzer aufweisen, nur sehr seltene Münzen sind mit dieser Erhaltung noch sammelwürdig.

ss (engl. very fine, vf) = sehr schön, noch scharfe Konturen, aber normale Gebrauchsspuren, kleinere bis mittlere Kratzer werden toleriert, für ältere Münzen die unterste noch sammelwürdige Erhaltungsstufe.

vz (engl. extremely fine, ef) = vorzüglich, einwandfreies Relief, geringe Verletzungen der Oberfläche werden toleriert, Prägeglanz ist meist nicht mehr vorhanden, im Handel und unter Sammlern sind auch die Bezeichnungen „prägefrisch“, „bankfrisch“ und „stempelfrisch“ verbreitet.

st, auch Stgl. (engl. brillant uncirculated, bu) = Stempelglanz, die Münze war nicht im Umlauf, voller Prägeglanz, mit bloßem Auge darf keine Beschädigung erkennbar sein.

Neben den Erhaltungsraden gibt es noch Herstellungsgrade:

PP (engl. proof) = Polierte Platte, die Münzen werden mit polierten Stempeln aus polierten Ronden hergestellt, Reliefpartien sind matt, glatte Münzfelder sind tief glänzend.

Sp (engl. proof-like) = Spiegelglanz, ist der Polierten Platte sehr ähnlich, die Münzen werden ebenfalls mit polierten Stempeln hergestellt, aber mit Normalronden.

Echtheitsmerkmale/Fälschungen

Fälschungen sind so alt wie die Münzgeschichte selbst. Es gibt zeitgenössische Fälschungen, die aus historischer Sicht interessant sind und auch oft ein eigenes Sammelgebiet darstellen. Dann gibt es moderne Fälschungen, die immer einen kriminellen Hintergrund haben. Und es gibt Nachprägungen von besonders wertvollen Münzen, die aber als solche gekennzeichnet werden und damit legal sind.

Um Fälschungen feststellen zu können, muss man die Techniken der Münzfälscher kennen.

Da gibt es das Gussverfahren. Dabei wird die Form des Originals mit Gips oder Silikonkautschuk abgenommen. Zum Gießen benützt der Fälscher Metalle mit niedriger Schmelztemperatur wie Blei oder Zinn. Eine Gussfälschung erkennen Sie an den unscharfen Konturen, an der relativ dunklen Farbe, dem dumpfen Klang und vor allem am vom Original abweichenden Gewicht.

Beim Galvanoplastikverfahren fertigt man vom Original einen Wachsabdruck an, der dann galvanisch mit einer Kupferschicht überzogen wird. Diese Schicht löst man ab und lötet sie auf einen Eisenkern. Danach vergoldet oder versilbert man die Falschmünze. Solche Münzen sind am Rand und ebenfalls am dumpfen Klang und den Gewichtsabweichungen erkennbar. Zusätzlich sind sie durch das Eisen magnetisch.

Moderne Fälschungen werden geprägt. Zur Herstellung des Stempels verwendet man ebenfalls das Galvanoverfahren. Da der so hergestellte Prägestempel nicht sonderlich haltbar ist, kann nur mit geringem Prägedruck auf weichem Metall gearbeitet werden. Die Fälschungen sind an den Abweichungen im Münzbild leicht erkennbar.

Bei der Münzmanipulation bedient sich der Fälscher eines oder mehrerer Originale. Dabei werden bestimmte Details wie ein Buchstabe oder eine Zahl verändert. Ein einleuchtendes Beispiel ist die sehr rare Münze 50 Pfennig 1950 G Bank Deutscher Länder. Der Fälscher nimmt dabei eine Münze 50 Pfennig 1950 beliebiger Buchstabe Bundesrepublik Deutschland und eine Münze 50 Pfennig 1949 G Bank Deutscher Länder. Beide Münzen kosten nicht viel. Die Rückseite (mit der Jahreszahl) der 1950er Münze wird mit einem Drehstock bis zum Perlkreis abgedreht. Es bleibt also nur der Perlkreis stehen. Bei der zweiten Münze dreht man die Vorderseite mit dem Nennwert und dem Buchstaben aus und fügt nun die Jahrgangsseite wie eine Intarsie ein. Und so hat man auf der einen Seite die Umschrift Bank Deutscher Länder, den Nennwert 50 Pfennig und den Buchstaben G und auf der anderen Seite den Jahrgang 1950. Die Manipulation erkennen Sie am ungleichmäßigen Perlkreis und am abweichenden Gewicht.

Welche Grundausstattung wird benötigt?

Zur Aufbewahrung der Münzen benötigen Sie ein entsprechendes Album oder eine Münzbox. Zusätzlich empfiehlt sich eine Kunststoff ummantelte Pinzette und eine hochwertige Lupe. Nicht verkehrt ist auch eine feine Waage, mit der Sie Fälschungen leicht erkennen können. Zu guter Letzt kaufen Sie sich einen Münzkatalog über Ihr Sammelgebiet. Mehr ist als Grundausstattung nicht erforderlich. Sie bekommen alles im Münzhandel oder bei Online-Marktplätzen wie beispielsweise Amazon.

Tipps für Einsteiger:
  • Meistens sammelt man am Anfang alles, was einem in die Finger kommt. Das ist auch durchaus in Ordnung. Nach einer gewissen Zeit aber sollten Sie sich spezialisieren, um den Überblick nicht zu verlieren. Je nach Geldbeutel und Interesse kann man seine Sammelleidenschaft auch wieder erweitern.
  • Kaufen Sie sich Einstiegsliteratur, zum Beispiel „Handbuch Münzensammeln“ von Wolfgang J. Mehlhausen, Battenberg Gietl Verlag oder „Münzen sammeln – Mein neues Hobby – Alles, was man wissen muss“ von Axel Gutjahr, Anaconda Verlag.
  • Kaufen Sie sich auch mal eine Münzzeitung. Und wenn Ihnen eine besonders gefällt, lassen Sie sich zum Geburtstag oder zu Weihnachten ein Abo schenken.
  • Erkundigen Sie sich, ob es in Ihrer Nähe einen Münzverein gibt. Dort erhalten Sie viele Anregungen und Hilfestellungen.
  • Besuchen Sie Münzbörsen und –messen. Sicher gibt es auch in Ihrer Nähe solche Veranstaltungen. Genießen Sie das Flair einer solchen Veranstaltung mit guten Gesprächen und vielen Anregungen.
  • Informieren Sie sich auch im Internet. Es gibt diverse Foren, die sich mit Münzensammeln beschäftigen. Beispielsweise das Numismatikforum oder den Münztreff um nur zwei zu nennen.
  • Kaufen Sie wertvolle Münzen nur mit Echtheitszertifikat beim Münzhändler Ihres Vertrauens.
  • Aktuelle deutsche Münzen erhältst du am günstigsten am Bankschalter, nämlich zum Nennwert. Allerdings bekommst du so nur Münzen in der Normalausführung (nicht in Spiegelglanz).
  • Vergleiche Sie Preise, achten Sie aber auf die Erhaltung.
  • Kaufen Sie keine modernen Medaillen. Oft wird mit dem Slogan geworben „gibt es nur bei uns“ und „weltweit limitierte Auflage“. Für solche Medaillen existiert kein eigener Markt und sie haben meist nur einen Materialwert, falls sie überhaupt Edelmetall enthalten. Man spricht auch von Medaillenschrott. Übrigens im Gegensatz zu Münzen haben Medaillen keinen Nennwert. Jeder kann privat Medaillen herstellen lassen.
  • Halten Sie immer einen kleinen Magneten bereit, um zu prüfen, ob eine Münze magnetisch ist oder nicht. Fälschungen von Edelmetallmünzen, die einen Eisenkern haben, sind so schnell identifiziert.
  • Vorsicht bei Münz-Abos. Sie erhalten am Anfang sehr günstige Lockangebote und später oft Münzen zu überhöhten Preisen.
  • Sparen Sie nicht am Zubehör, besonders nicht für Zubehör zum Aufbewahren von Münzen. Vorsicht ist bei sehr billigen Münzalben geboten. Hier können die Plastikhüllen den Münzen sogar schaden. Achten Sie auf weichmacherfreie Hüllen. Ansonsten laufen Sie Gefahr, dass sich Ihre Münzen durch chemische Reaktionen verändern.
  • Bevor Sie eine Münze reinigen, sollten Sie sich genau über die Reinigung informieren. Hier kann man viel falsch machen bis hin zum totalen Wertverlust einer Münze.
  • Lassen Sie sich zum Geburtstag oder Weihnachten Münzen schenken. Aber nicht irgendwelche. Geben Sie Ihren Angehörigen eine Art Wunschliste an die Hand.