Gedenkmünzen

Zu Beginn des Euros war die Sammeleuphorie groß. Mittlerweile hat sich dieser Hype wieder etwas gelegt. Für Sie als Sammler ist das eher günstig. Die Preise für Euro-Gedenkmünzen haben sich wieder in erschwingliche Höhen eingependelt. Jetzt ist für Sie ein günstiger Zeitpunkt, in diese Sammelgebiete einzusteigen.

Jahrhundertelang waren auf den Münzen die jeweiligen Herrscher und Wappen abgebildet. Der bayerische König Ludwig I. ließ erstmals eine Münze prägen, die auf der Wappenseite ein Ereignis oder Motiv darstellte. Das war 1828, der Beginn der bayerischen Geschichtstaler. Es war eine Serie von 43 Talern und Doppeltalern, die erste Gedenkmünzen-Serie. Die Gedenkmünzen haben seitdem einen Siegeszug über die ganze Welt angetreten. Kaum ein Land, das nicht Gedenkmünzen prägt. Das trifft natürlich auch auf Europa und die Euroländer zu. Die Einführung des Euros 2002 hat daran nichts geändert, mit Ausnahme eben, dass es sich nun um eine einheitliche Währung handelt. Und so sind seit 2002 eine große Anzahl an Euro-Gedenkmünzen geprägt worden. Die Themen sind nach wie vor Geburts- und Todestage berühmter Frauen und Männer, denkwürdige Ereignisse, historische Gebäude, besondere Veranstaltungen und ähnliches.

Gedenkmünzen aus unedlen Metallen

Neben den Silberausgaben prägen etliche Länder Gedenkmünzen mit teilweise niedrigem Nennwert und einer unedlen Metall-Legierung. So gab beispielsweise Deutschland von 2011 bis 2015 jährlich mehrere 10 Euro-Gedenkmünzen in einer Kupfer/Nickel–Legierung heraus. Ab 2016 verausgabt Deutschland 5 Euro Kupfer/Nickel–Münzen mit einem Polymerring.

Weitere Länder, die Euro–Gedenkmünzen in unedlen Metallen prägen sind:

  • Griechenland mit 5 € in Kupfer/Nickel,
  • Litauen mit 5 € in Nordischem Gold*) und 1,5 € in Kupfer/Nickel,
  • Luxemburg mit 5 € in Edelstahl,
  • Malta mit 5 € in Messing,
  • Niederlande mit 5 € in Kupfer/Nickel, versilbert,
  • Österreich mit 5 € in Kupfer und 3 € in Kupfer/Nickel,
  • Portugal mit 1,5, 2,5, 5, 7,5 und 10 € in Kupfer/Nickel,
  • San Marino mit 5 € in Bronzital**) und Kupfer/Nickel,
  • Slowenien mit 3 € in Kupfer/Nickel.

*) Nordisches Gold (89 % Kupfer, 5 % Aluminium, 5 % Zink, 1 % Zinn) **) Bronzital (82 % Kupfer, 16 % Aluminium, 2 % Nickel)

Nicht immer handelt es sich dabei um jährlich wiederkehrende Ausgaben. Manchmal sind es auch nur einmalige Sonderprägungen.

Von allen Euroländern ragen Österreich, die Niederlande, Portugal und auch Deutschland im Bereich der Euro-Gedenkmünzen in unedlen Metallen heraus. Diese Länder haben die häufigsten Ausgaben in diesem Bereich. Österreich prägt seit 2012 regelmäßig Gedenkmünzen in Kupfer und Kupfer/Nickel.

Das Sammelgebiet der Euro-Gedenkmünzen in unedlen Metallen ist überschaubar und vor allem erschwinglich. Für moderate 5 bis 20 Euro können Sie diese Münzen im seriösen Münzhandel erwerben. Ausreißer nach oben gibt es nur sehr wenige. So beispielsweise die teuerste Münze in diesem Sammelgebiet mit etwa 140 Euro aus Slowenien, 3 Euro 2008 „EU-Ratspräsidentschaft“ in Polierter Platte. Auch für die jüngsten österreichischen 3 Euro-Ausgaben 2017 „Tier Taler“ müssen Sie zwischen 50 und 70 Euro berappen. Eine Münze aus Luxemburg ist hier noch erwähnenswert, 5 Euro 2014 „Luxemburger Stahlindustrie“ in Polierter Platte. Diese Münze ist bezeichnender Weise aus Stahl und hat einen Wert von circa 60 Euro.

Bimetallmünzen

Die Euroländer gehen zunehmend dazu über, im Bereich der Gedenkmünzen auch sogenannte Bimetallmünzen zu prägen. Eine solche Münze besteht aus zwei voneinander getrennten Werkstoffen oder Legierungen. Klassische Bimetallmünzen haben Sie in Ihrer Geldbörse, nämlich die 1 und 2 Euro-Umlaufmünzen. Sie bestehen aus zwei voneinander getrennten Legierungen, Kupfer/Nickel und Nickel/Messing. Neben dem gefälligen Aussehen sind diese Münzen besonders fälschungssicher.

Bei den Bimetallmünzen lässt man sich immer neuere Varianten und Kombinationen einfallen. Besonders Deutschland und Österreich sind auf diesem Gebiet sehr aktiv und innovativ. Deutschland hat 2016 eine 5 Euro Gedenkmünze aufgelegt mit dem Thema „Planet Erde“. Es ist weltweit die erste Kupfer/Nickel Münze mit einem blauen lichtdurchlässigen Polymerring. Das ist ein besonderer, lichtdurchlässiger Kunststoff. So ein Polymerring macht schon was her. Von 2017 bis 2021 folgt die Serie „Klimazonen der Erde“. 2017 ist bereits erschienen, „Tropische Zone“ mit einem roten Polymerring. Jede der 5 Prägestätten hat die Münze in einem anderen Rotton geprägt. Die Serie wird 2018 mit einem orangen Ring weitergeführt. 2019 wird der Ring grün und 2020 türkis. 2021 wird die Serie mit der „Polaren Zone“ und einem violetten Polymerring enden. Die Händlerpreise liegen in Stempelglanz zwischen 30 und 40 Euro und in Polierter Platte zwischen 70 und 80 Euro.

Österreich ist ebenfalls sehr innovativ. Bereits seit 2003 prägt es 25 Euro Niob/Silber Münzen. Dabei besteht der Kern aus 998/1000 Niob und der Ring aus 900/1000 Silber. Niob ist ein selten vorkommendes Schwermetall. Die Österreichische Münze gibt jedes Jahr nur ein Exemplar aus. Der Niobkern hat dabei verschiedene Farben. Münzhändler verlangen für diese Münzen je rund 100 Euro. Allerdings gibt es Ausreißer nach oben, 2010 mit etwa 200 Euro, 2008 mit zirka 250 Euro, 2004 mit annähernd 300 Euro und 2003 mit beinahe 500 Euro.

Bemerkenswert ist noch eine ungewöhnliche Münze aus Lettland, 5 € 2016 „Erde“ Silber/Perlucor in Polierter Platte. In der Mitte der Münze ist die Erde klein und farbig abgebildet. Dann folgt ein großer durchsichtiger Perlucorring und dann ganz außen ein dünner Silberring. Perlucor ist eine transparente Keramik mit hoher Festigkeit. Die Münze sieht wirklich Aufsehen erregend und außergewöhnlich aus.

Auch andere Euroländer prägen noch Bimetallmünzen. Luxemburg ist hier recht rege. Es prägt regelmäßig 5, 10 und 20 Euro-Bimetallmünzen. Die Metall-Kombinationen sind Silber/Titan, Silber/Niob und Silber/Aluminium-Bronze. Die Preise liegen zwischen 50 und 300 Euro. Erwähnenswert ist noch Finnland. Es gibt zu moderaten Preisen bis etwa 20 Euro Bimetallmünzen zu 5 Euro in Alu-Bronze/Kupfer/Nickel-Legierungen heraus.

Die Bimetallmünzen stellen ein eigenes Sammelgebiet innerhalb der Euro-Gedenkmünzen dar. Es ist überschaubar und gerade noch erschwinglich. Die besonders interessanten Exemplare aus Deutschland mit dem Polymerring und die österreichischen Niob-Exemplare sind wohl am begehrtesten. Wobei die österreichischen Münzen durchaus ins Geld gehen können. Aber immerhin prägen die Österreicher im Gegensatz zu den Deutschen nur jeweils ein Exemplar jährlich.

Euro-Silbermünzen

Das Sammelgebiet der Euro-Silbermünzen ist geradezu riesig. Als Sammler bleiben Sie deshalb meist im regionalen Bereich. Oder Sie sammeln ein bestimmtes Thema. Beispielsweise könnten Sie berühmte Gebäude sammeln, oder berühmte Personen, oder Tiere, Sportveranstaltungen und, und, und. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und die Auswahl ist sehr groß.

Die Klassiker unter den Euro-Silbermünzen sind die 10 Euro-Exemplare, die von vielen Ländern bevorzugt geprägt werden. Auch Deutschland hat von 2002 bis einschließlich 2015 10 Euro-Münzen geprägt. Sie waren die Nachfolger der 5 und 10 DM-Gedenkmünzen. Erst in jüngster Zeit hat die Bundesrepublik die 10 Euro-Prägung eingestellt und sie durch 20 und 25 Euro ersetzt. Eine 10 Euro Münzsammlung kann sehr reizvoll und spannend sein. Das Gebiet ist allerdings recht groß. Doch Sie wollen ja nicht mit Ihrem Sammelgebiet in kürzester Zeit fertig sein. Sondern ganz im Gegenteil, Sie wollen lange Freude und Spaß an Ihrem Hobby haben.

Die folgende Tabelle gibt einen kleinen Überblick über die ausgegebenen Nennwerte der einzelnen Euroländer. Die durchschnittlichen Preise sind ungefähre Richtpreise, die Sie bei seriösen Händlern berappen müssen. Dies trifft ebenso auf die Preise bei den Ausreißern zu:

Übersicht der ausgegebenen Nennwerte der einzelnen Euroländer anzeigen

Die ersten Exemplare, die mit einem neuen Stempelpaar gefertigt werden, nennt man Erstabschläge. Sie besitzen einen besonderen Glanz und eine sehr ausgeprägte Struktur. Für Münzsammler stellen Erstabschläge einen besonderen Wert dar.

Sie müssen nicht unbedingt die höheren und damit teureren Nennwerte sammeln. Sie können sich auch eine 5 Euro Silber-Gedenkmünzen Sammlung aufbauen. Dieses Sammelgebiet ist erheblich überschaubarer und auch erschwinglicher. Oder Sie sammeln ein bestimmtes Land. Sie entscheiden, ob es ein Land ist mit vielen und teuren oder mit wenigen und günstigeren Prägungen. In der Regel wird es aber wohl Ihr Heimatland sein. Sehr beliebt ist auch eine 10 Euro Sammlung. Die 10 Euro-Silbermünzen sind meist noch einigermaßen erschwinglich. Da es sich um Silbermünzen handelt, sind sie auch recht wertbeständig. Oder Sie sammeln ein bestimmtes Thema. Auch das ist recht beliebt. Wie schon erwähnt, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Eine komplette Sammlung aufbauen zu wollen, ist wohl ein unmögliches Unterfangen. Zu groß und wohl auch zu teuer ist das gesamte Sammelgebiet der Euro-Silbermünzen.

Eurosterne

Einige Euroländer prägen sogenannte Eurosterne oder Europasterne. Diese Ausgaben stellen ein eigenes kleines Sammelgebiet dar. Die Münzen tragen alle ein kleines Zeichen, das Europastern-Symbol. Dieses Symbol vereint das €-Zeichen mit einem Stern.

Übersicht der teilnehmenden Länder anzeigen

Als einziges Land gibt Frankreich auch eine 50 Euro Eurostern-Goldmünze heraus, 50 € 2013 „Gustave Flaubert-Madame Bovary“ in Polierter Platte.

Viele Länder nehmen nicht an der Europastern-Serie teil. Hier gibt es Entwicklungspotential. Man wird sehen, ob sich das Sammelgebiet weiter entwickeln kann. Noch ist es überschaubar und bis auf wenige Ausreißer auch erschwinglich.

Goldmünzen

Nahezu alle Eurostaaten geben auch Euro-Goldmünzen heraus. Meist mit Nennwerten zu 50 oder 100 Euro. Es gibt aber auch niedrigere Nennwerte, was den Sammler freut, da sie meist erschwinglicher sind. Leider haben auch einige Länder sehr hohe Nennwerte mit entsprechend extremen Preisen geprägt. Die anschließende Tabelle gibt Ihnen einen ungefähren Überblick:

Übersicht der Euro-Goldmünzen der teilnehmenden Länder anzeigen

Euro-Gedenkmünzen der Bundesrepublik Deutschland

Dieses Sammelgebiet ist natürlich für deutsche Sammler der Klassiker. Seit Einführung des Euros 2002 hat Deutschland bis einschließlich 2015 jährlich 10 €-Gedenkmünzen in Silber ausgegeben. Sie waren die Nachfolger der 5 und 10 DM Gedenkmünzen. Die Anlässe haben sich nicht geändert. Wie üblich waren es Geburts- und Todestage berühmter Personen, Sportveranstaltungen, berühmte Bauwerke und so fort. Die einzelnen Prägestätten Berlin (A), München (D), Stuttgart (F), Karlsruhe (G) und Hamburg (J) wechselten sich bei den Ausgaben ab.

Bis einschließlich 2010 hat man die 10 Euromünzen in 925/1000 Silber mit einem Gewicht von 18 g geprägt. 2011 wurde die Legierung auf 625/1000 und einem Gewicht von 16 g reduziert.

Anlässlich 25 Jahre deutscher Einheit prägte Deutschland 2015 erstmalig eine Serie von 25 Euro-Gedenkmünzen mit einen 999/1000 Silberanteil. Jede Prägestätte gab eine Münze jeweils in Stempelglanz und in Polierter Platte aus. Insgesamt also 10 Ausgaben.

Die 10 € Münzenprägung stellte man 2015 ein. Stattdessen prägt Deutschland ab 2016 20 Euro-Gedenkmünzen mit einen 925/1000 Silberanteil.

Eine komplette Sammlung aller 10, 20 und 25 Euro Silbermünzen ist durchaus möglich und erschwinglich. Für die 10 Euro Münzen zahlen Sie beim Händler zwischen 15 und 30 € je nach Erhaltungsgrad in Stempelglanz oder Polierter Platte. Für die 25 Euro Münzen müssen Sie in Stempelglanz um die 30 € und in Polierter Platte um die 70 € berappen. Die 20 Euro Münzen liegen im Kaufpreis etwas niedriger. Das Sammelgebiet ist spannend und interessant. Und die vergleichsweise niedrigen Einstandspreise tragen darüber hinaus zu der Beliebtheit des Sammelgebietes bei.

Ganz neue Wege beschreitet Deutschland auf dem Weg der Numismatik mit der Prägung von 5 € Gedenkmünzen. Es sind Kupfer/Nickel-Münzen mit einem Polymerring. Polymer ist ein spezieller lichtdurchlässiger Kunststoff. Diese Art der Münzprägung ist weltweit einmalig. 2016 hat die Bundesrepublik die Serie „Planet Erde“ mit einem blauen Pollymerring aufgelegt. Die 5 Prägestätten prägen dabei die Münzen in 5 verschiedenen Blautönen. 2017 wurde die Serie „Klimazonen der Erde“ aufgelegt. Die Serie beginnt 2017 mit „Tropische Zone“ und einem roten Ring. 2018 folgt dann „Suptropische Zone“ mit orangem Ring, 2019 „Gemäßigte Zone“ mit grünem Ring, 2020 „Subpolare Zone“ mit türkisem Ring und 2021, die letzte Ausgabe der Serie, „Polare Zone“ mit violettem Ring. Die einzelnen Prägeanstalten wechseln jeweils bei allen Ausgaben die Farbtöne. Die Händlerpreise liegen bei ungefähr 35 € in Stempelglanz. Für Polierte Platte müssen Sie mit dem Doppelten rechnen. Auf dieses Sammelgebiet ist ein wahrer Run ausgebrochen. Man wird sehen, wie es sich entwickelt. Derzeit ist es noch sehr überschaubar und auch erschwinglich.

Bei den Euro-Gedenkmünzen der Bundesrepublik sind noch die Goldmünzen zu erwähnen. Deutschland ist hier recht rege. Die Goldmünzen komplett zu sammeln, ist wohl aus finanziellen Gründen kaum möglich. Geprägt wurden und werden Nennwerte zu 20, 50, 100 und 200 €. Die Händlerpreise liegen für die 100 Euro Goldmünzen bei etwa 600 € und für die 20 Euro Goldmünzen bei etwa 200 bis 300 €. 50 Euro Goldmünzen gibt es erst seit 2017. Die Händlerpreise liegen bei etwa 400 €. Die 200 Euro Goldmünzen wurden bislang ausschließlich zur Einführung des Euro 2002 mit allen 5 Buchstaben in Stempelglanz geprägt. Ihr Gewicht beträgt jeweils eine Unze (31,1g) 999/1000 Gold. Die Händlerpreise liegen hier mit knapp unter 2.000 € deutlich über dem Materialwert.

Fazit: Euro-Gedenkmünzen
Die Euro-Gedenkmünzen splitten sich in eine Vielzahl von Sammelgebieten auf. Unedle Münzen, Bimetallmünzen, Euro-Silbermünzen, Eurosterne und Goldmünzen. Sie haben die Möglichkeit regional, thematisch, nach Nennwert oder nach Material zu sammeln. Je nach Lust und Laune und natürlich den finanziellen Möglichkeiten. Das Sammelgebiet bietet eine enorme Flexibilität. Für jeden Sammlertyp gibt es ein passendes Sammelgebiet, an dem er viel Spaß und Freude haben kann.